Stella Matko ist eine Künstlerin mit vielen Gesichtern. Hinter ihrem Namen verbirgt sich keine Einzelperson, sondern eine Künsterinnengruppe: Charlotte Antony, Nora Mona Bach, Michal Fuchs, Katharina Gahlert, Linda Grüneberg und Katja Neubert.
Stella Matko ist ein Leben, das sechs Leben umfasst – ein System, das sich immer wieder neu zusammensetzen und anpassen kann. Das zeitweise Auflösen der eigenen PosiSon im gemeinsamen Prozess, das Ausprobieren und die Entwicklung einer kollektiven, mitunter fiktiven Persönlichkeit werden dabei selbst zum künstlerischen Antrieb.
Essenziell ist zudem die gemeinsame Stärkung der öffentlichen Wahrnehmung und Sichtbarkeit – insbesondere vor dem Hintergrund eines nach wie vor patriarchalen und kapitalistischen Systems, in dem Künstlerinnen ihre Sichtbarkeit immer noch aktiv erkämpfen müssen. Die Gruppe bildet eine sichere Basis, aus der heraus individuelle Positionen geschärft und weiterentwickelt werden können, während das eigenständige Arbeiten Raum für Rückzug, Vertiefung und persönliche Fragestellungen eröffnet.
Einige Biografien innerhalb von Stella Matko ähneln sich, andere nicht. Sie vereint jedoch ihr Studium an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, die Entscheidung die eigene künstlerische Karriere zu verfolgen und der Wille, in Halle zu bleiben. Auch die Erfahrung von Elternschaft und Mutterschaft und die damit verbundenen Herausforderung verbindet sie.
Die Arbeiten von Stella Matko spiegeln die Vielschichichtigkeit ihrer sechs Köpfe wider. Sie arbeitet mit unterschiedlichsten Medien: von Rauminstallationen über Papier, Metall, Kunststoff und Keramik bis hin zu Kohle oder Pflanzen. Teilweise anziehend, enigmatisch, täuschend oder abstoßend: die Wahl des Materials sowie dessen transformative Kräfte spielen bei allen Künstlerinnen eine wesentliche Rolle. Eine Arbeit gilt dann als gelungen, wenn sie sowohl der eigenen inneren Logik als auch der Logik des Materials folgt. Die Spuren des Prozesses bleiben dabei häufig sichtbar und spürbar.
Im Zentrum stehen die komplexen Verflechtungen zwischen Mensch, Körperlichkeit, Material und Umwelt. Es geht hier nicht nur um die Ästhetik des Objekts, sondern auch um die Transformation, Verwandelbarkeit oder Übersetzung des Materials, das sich zwischen Natur, Menschengemachtem und Posthumanem bewegt. Zwischen den Arbeiten entstehen Verbindungen und Dialoge – über Materialien, Kreisläufe und Ökosysteme. Wie ein roter Faden zieht sich eine forschende Haltung zur Materie durch ihr Werk. Materie versteht sie als etwas, das sich in kontinuierlicher Wandlung befindet, als eine nicht endende Metamorphose. Techniken und Arbeitsweisen, die seit Jahrhunderten die Produktion von Kunst bestimmen, werden von ihr auseinandergenommen, hinterfragt, erforscht und zu etwas Neuem geformt.